Admin Login
Kontakt Schulleitung: Tel. 08152/2419, Sekretariat: Tel. und Fax: 08152/2572, eMail: mail@mlv-herrsching.de



Startseite
Instrumente
Orientierungsstufe
Musikalische Früherziehung
Ensembles & Spielkreise
Zusätzliche Kurse
Lehrkräfte
Anmeldeformular
Konzertfotos
Konzerttermine
Glosse
Förderverein
Vereinssatzung
Gebührenordnung
Allgemeine Bestimmungen
Impressum



Ich konnte nicht üben weil...

Bitte kreuze vor Betreten des Unterrichts die richtige Entschuldigung an…
o mein Schwein immer pfeift.
o im Musikzimmer überall Mausefallen aufgestellt sind.
o Papa meine Gitarre (meine Geige usw) immer mit auf die Baustelle mitnimmt.
o der Postbote die Noten mitgenommen hat statt die Reklamation.
o unser Hund immer jault, wenn ich spiele.
o mein Freund mich gefragt hat, ob es auch Verhütungsmittel gegen solche
Etüden gäbe und dann wollte ich nicht mehr.
o mein Bruder alle Saiten runtergedreht hat, so dass ich die ganze Woche
nur gestimmt habe.
o ich habe das hohe C nicht mehr gefunden. Es lag glaube ich auf dem
Dachboden.
o meine Finger-Gelenke immer quietschen.
o Jesus immer dabei vom Kreuz fällt.
o mein Handy davon kaputt geht.
o meinem Meerschweinchen die Haare davon ausfallen.
o es in keiner Apotheke mehr Ohropax gibt, nicht mal im Internet.
o weil der Bürgermeister nur Blasmusik mag und er wohnt leider nebenan.
o mein Computer abgestürzt ist - aber auch genau auf die Noten.
o ich erst mal Level sechs erreichen muss, vorher läuft da garnichts.

…dieser Zettel hing eine Weile an unserem Musikschulschrank und - seien wir mal ehrlich - uns Lehrern kommt´s mitunter zu den Ohren wieder raus: das mit den Hausaufgaben die zuviel waren und keine Zeit zum Üben. (Wer hat die schon?) Wir wollten einfach mal was Neues hören. Und außerdem auf etwas hinweisen. Dass wir in unserer so seltsam ernsthaften Spasskultur zumindest diesen Spass: nämlich ein Instrument so zu spielen, dass sogar der Freund nicht mehr nach "Verhütungsmitteln" gegen Etüden fragen muss, (siehe Entschuldigung Nummer sechs) dass also diese Fähigkeit weit mehr Zeit benötigt, als wir im Allgemeinen übrig haben. Tennis ist schneller gelernt, zumindest bis zur Kreisklasse. Und ein Tor schießt man schon im ersten Fußballjahr. Und dann ist da ja noch Reiten und Ballett und Töpfern und wenn wir sie dann von Allem ein ganz klein wenig haben schnuppern lassen, unsere kleinen Beliebigkeitssammler, dann haben sie vielleicht eine feine Nase - aber Klavier spielen…

Insofern möchte dieser Zettel (und sein Auftritt hier im Internet) ein heiter verstörtes Licht werfen: einmal auf jene Eltern, die uns (Lehrer) alle mit Nürnberger Trichtern verwechseln und zum anderen auf jene Schüler, die glauben, wir seien so etwas wie Programmierer: man geht so ein bißchen megalässig zu uns hin, läßt sich so nebenbei seine mobile Festplatte beschreiben und zack ist man der endcoole Gitarrist im Werbespot von MTV. Es ist wohl eher so: Sollte mal einer als Cellist bei den Symphonikern landen oder als Gitarrist im Madison Sqare Garden, so hat er dafür in der Regel dreimal solange gelernt wie - sagen wir - ein hochqualifizierter Hirnchirurg. Musste der doch mit sechs noch lange nicht damit anfangen. Zum Glück.
Bleiben wir also auf dem Boden.
Der Zettel gilt noch: jeder darf jedesmal ankreuzen wo immer er mag. Nur dauert es dann halt noch länger.
Mit sechzig seid ihr dann - halbwegs -bühnenreif: OK?
Wir haben Zeit…
Unser Resümee? Vielleicht die Bitte an die Eltern (oder älteren Schüler) einmal mit uns über das Üben zu reden. Und wenn dabei nur herauskommt, dass der Übestuhl zu unbequem ist. Oder die Ansprüche nicht vorhanden: dann müssen wir nicht rätseln.

Karl